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Ministranten Hl. Dreifaltigkeit Offenburg




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Jugend macht Zeitung

Weihrauch macht die Nase frei

'Wusstet Ihr schon, dass Weihrauch die Nase frei macht? - Deshalb haben Ministranten auch so selten Schnupfen! Nicht nur wer eine freie Nase braucht, kann sich bei uns melden!', so werben die Ministranten der Pfarrei heilig Dreifaltigkeit auf ihrer Homepage. Dass die Minis außer dem Dienst am Altar noch einiges mehr tun, darüber hat sich Gettina Gießler mit Peter Adelmann unterhalten. Er muss es wissen: der 25-jährige ist seit seinem zehnten Lebensjahr Ministrant und wurde 1990 zum Oberministrant gewählt.

JuZ Weihnachten steht vor der Tür - die Ministranten in den Startlöchern. In den nächsten Tagen gibt es für euch bestimmt einiges zu tun?

Peter Langweilig wird es uns Minis um Weihnachten herum garantiert nicht. In den nächsten drei Tagen stehen sieben Gottesdienste auf unserem Ministrantenplan. Aber richtigen Weihnachtsstress haben wir deshalb nicht. Proben müssen wir zum Glück nur einmal - für die Christmette.

JuZ Abgesehen von der Weihnachtszeit, wie oft schlüpft ihr in der Woche in die weißen Gewänder?

Peter Es gibt in der Regel drei Gottesdienste am Wochenende. Die Ministranten sind in der Ministriergruppe eingeteilt und dann wird nach einem rotierenden System gewechselt, so dass jeder nur einmal pro Wochenende an der Reihe ist. Dafür zu sorgen, dass das System klappt und der Pfarrer nicht eines Tages alleine dasteht, ist meine Aufgabe.

JuZ Als Chef der Minis hältst du sozusagen die Fäden in der Hand?

Peter Ja, das sind zum einen die organisatorischen Fäden, aber auch die Verbindungsfäden zum Pfarrer und zu den Eltern. Die Hand, die alles lenken kann, bin ich deshalb aber nicht. Die Ministranten sind demokratisch aufgebaut und so kann es vorkommen, dass mich die Leiterrunde - bestehend aus 15 älteren Ministranten - überstimmt.

JuZ Im sonntäglichen (nicht weihnachtlichen) Morgengottesdienst sieht man eher vereinzelt Kinder und Jugendliche. Habt ihr Nachwuchsprobleme?

Peter Nein, wir haben erst dieses Jahr wieder 15 neue Minis dazu bekommen. Insgesamt sind wir jetzt 75 Ministranten im Alter von neun bis unbegrenzt (OK, unser Ältester ist mittlerweile 35). Auf unserem Dienstplan habe ich für die Christmette und das Hochamt am ersten Feiertag "alle" eingeteilt, das heißt aber nicht, dass wirklich alle kommen. Es werden vermutlich etwa 30 bis 40 sein, was auch seine Vorteile hat. Wir haben nämlich - sogar wenn man die schwarzen dazurechnet - nur knapp 50 Gewänder! Zur Not müssen wir uns von der Klosterkirche die fehlenden Gewänder ausleihen, wie bei der Einweihungsfeier nach der Renovierung der Dreifaltigkeitskirche.

Peter Adelmann schwingt seit 15 Jahren das Rauchfass...

JuZ Dürfen auch Mädels bei euch vorbeischauen, wenn sie die Ministrantengemeinschaft näher kennenlernen wollen?

Peter Natürlich. Die Zeiten, dass nur Jungen den Dienst am Altar machen dürfen sind längst vorbei. Bei uns halten sich Mädchen und Jungen etwa die Waage. Grundsätzlich ist jeder herzlich willkommen, der getauft ist und die Erstkommunion gefeiert hat. Wer Interesse hat, kann auf unserer Homepage einiges über uns erfahren. Anmelden kann sich im Pfarrbüro oder direkt bei mir.

JuZ Und was erwartet einen dann? Jeden zweiten Tag in der Kirche stehen, dem Pfarrer das Brot reichen und anschließend den Altar abräumen?

Peter Ministrant-sein lässt sich nicht mit der Arbeit im Haushalt vergleichen! Der Dienst am Altar ist das eine, aber vor allem steht die Gemeinschaft im Vordergrund. In der Gruppenstunde trifft man sich einmal in der Woche, macht - je nach Altersgruppe - Spiele, Ausflüge, man bastelt und diskutiert. Außerdem werden die Jugendlichen auf den Dienst vorbereitet, sie lernen das Kirchenjahr kennen und erfahren, dass das Rauchfass einen bestimmten Sinn hat und nicht nur da ist, weil es gut duftet. Außerdem organisieren wir jedes Jahr Hüttenaufenthalte und alle zwei Jahre ein Sommerlager - jedesmal unser großes Highlight. Wir engagieren uns im Gemeinderat und im Dekanatskomitee. Außerdem haben wir eine Mini-Fußballmannschaft und eine Mini-Band, die zum guten - und jungen - Ton in der Kirche beiträgt. Ministrieren gehört, wie der Name schon sagt, ebenfalls dazu.

JuZ Früher hieß es ja: Die Ministranten sind die Schlimmsten. Man erzählt sich von frechen Buben, die dem Pfarrer statt Wasser und Wein Schnaps in den Kelch gegossen haben.... Gibt es so etwas bei euch auch noch oder sind die Minis heutzutage wahre Engel?

Peter Im Gottesdienst natürlich nur Engel! Früher haben wir manchmal bei den Schellen die Schrauben gelockert und wenn dann ein Ministrant bei der Wandlung klingeln musste, sind nach und nach alle Schellen abgefallen. Aber heute machen wir im Gottesdienst keine handfesten Streiche mehr. Dafür geht es bei den Gruppenstunden oder unserem Sommerlager um so bunter zu. Da wird häufig in der Nacht geschminkt - mit Edding - oder man wacht am nächsten Morgen mit grünen Haaren auf. Ohne Streiche wäre es langweilig. Aber ob wir die Schlimmsten sind....

JuZ ... Das wollen wir vielleicht besser dahingestellt lassen. Aber Pannen werden sich wohl auch im Gottesdienst hin und wieder nicht vermeiden lassen. Kann da auch mal was schiefgehen?

Peter Und ob! Wenn was schiefgeht, dann alles! Im Laufe der Jahre haben sich schon einige lustige Geschichten zum Schmunzeln ereignet. Einmal hat sich ein Ministrant schon beim Evangelium die Kollektekörbchen geschnappt und wollte losmarschieren. Besonders wenn viele Neue dabei sind, wird der Ein- oder Auszug manchmal zum Mittelgroßen Chaos. Statt geordnet, einer rechts und einer links, nach hinten auszuziehen sind die Kleinen so aufgeregt, dass sie die Kniebeuge vergessen und alle in einem Pulk dem Ersten hinterher rennen. Dann gibt es auch Gottesdienste, wo man einfach nicht zur Andacht kommen kann, weil es dauernd irgendwo kichert und das scheinbar ansteckender ist als ein alltäglicher Schnupfenvirus. Die meisten Pannen sieht man aber vom normalen Fußvolk aus gar nicht.

JuZ Das Gesicht verliert ihr also nicht, wenn mal was schiefläuft...

Peter Das Gesicht nicht, aber den Rock! Es ist schon einige Male passiert, dass ein Träger gerissen ist und der Rock nun plötzlich rutschte. Und dann sah man den Betroffenen nur noch den Rock vorne zusammenhaltend in die Sakristei wuseln.

JuZ Dir scheint es nach 15 Jahren immer noch mächtig Spaß zu machen.

Peter Solange es sich mit meinem Studium an der Katholischen Fachhochschule in Freiburg vereinbaren lässt, werde ich auch weitermachen! Was mich nach 15 Jahren noch hält, ist die sehr gute Gemeinschaft und die Geselligkeit, auch in unzähligen Aktionen außerhalb des Ministrierens. So hat sich aus den Ministranten mittlerweile mein Freundeskreis gebildet.

Badische Zeitung (BZ) Weihnachten 2000

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